Wenn man durch die Gassen der Lübecker Altstadt schlendert, erlebt sofort, dass dieser Ort mehr ist als eine Ansammlung mittelalterlicher Backsteinfassaden. Die von der Trave umflossene Insel birgt geistiges Kapital, das über Jahrhunderte gewachsen ist und heute im Future Forum on Culture einen zeitgemäßen Ausdruck gewinnt. Das Forum versteht sich nicht als Museum, sondern als lebendige Schnittstelle zwischen Glaubenstraditionen, künstlerischem Schaffen und gesellschaftlichem Diskurs. Es wendet sich an Suchende, Zweifelnde und Engagierte aus ganz Deutschland, die religiöse Tiefe und kulturelle Vielfalt nicht nur betrachten, sondern aktiv mitgestalten wollen. Während die Kirchenaustritte zunehmen und religiöse Identitäten diffuser werden, bietet dieser Knotenpunkt Orientierung ohne Dogmatik und Gemeinschaft ohne Vereinnahmung. Was das Haus konkret bereithält und warum es weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus Beachtung erhält, lesen Sie hier.
Musik als gemeinsame Sprache des Glaubens
Musik ist im Future Forum kein schmückendes Beiwerk, sondern fundamentaler Bestandteil des Programms. Das Spektrum erstreckt sich von der Pflege des Lübecker Orgelrepertoires über zeitgenössische Kompositionen und sufischen Gesängen und jüdischer Kantillationskunst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Wiederbelebung von Werken, die im Dreißigjährigen Krieg oder in der Zeit des Nationalsozialismus aus den Kirchenarchiven verschwanden. Hier arbeitet das Forum mit Musikwissenschaftlern der Musikhochschule Lübeck kooperativ, was zu mehreren gefeierten Wiederaufführungen geführt hat. Diese historische Tiefenbohrung wird ergänzt durch Begegnungskonzerten, bei denen drei Chöre unterschiedlicher Glaubensrichtungen ein gemeinsames Programm erarbeiten. Der Probenprozess ist dabei ebenso wichtig wie die Aufführung, weil er die Sängerinnen und Sänger zwingt, sich auf fremde Klangideale und Textverständnisse einzulassen, was weit mehr erreicht als viele Gesprächskreise.
Praktisch zeigt sich die Offenheit in den monatlichen Mitsing-Abenden, alles über culture, die ohne Notenkenntnisse und Anmeldung besucht werden können. Ein Kantor erklärt kurz ein Stück, dann singt die Versammlung einen vierstimmigen Satz, mal aus dem evangelischen Gesangbuch, mal einen hebräischen Psalm, mal ein buddhistisches Mantra. Die Regel besagt: Jeder so gut er kann, und Fehler sind ausdrücklich gestattet. Diese radikale Einstiegsschwelle hat ein Publikum gewonnen, das sich selbst nie als musikalisch bezeichnet hätte, und ist für viele die erste Begegnung mit geistlichem Liedgut schlechthin. Die Anwesenheitszahlen belegen, dass niederschwellige Musikangebote eine Brücke bilden, die dogmatische Sprachregelungen längst nicht mehr erzielen.
Kulturtransfer auf neuen Wegen: Workshops und Debatten
Das Forum betrachtet kulturelle Bildung als einen handwerklichen Prozess, der nicht durch passive Rezeption, sondern durch aktives Tun gelingt. Deshalb finden praktische Workshops einen bedeutenden Raum ein. In der Kalligrafie-Werkstatt etwa entdecken Teilnehmende nicht nur arabische, hebräische und lateinische Schriftzeichen, sondern beschäftigen sich ganz nebenbei mit der kulturhistorischen Bedeutung von Schriftreligionen. Ein anderer Kurs vermittelt die Kunst des Ikonenschreibens mit zeitgenössischen Materialien und eröffnet so einen Zugang zur orthodoxen Spiritualität, der von kunsthistorischen Erklärungen allein nie geleistet würde. Solche Angebote sprechen an gezielt jene, die intellektuelle Zugänge zu religiösen Themen suchen, aber oft an einer vermeintlich elitären Fachsprache scheitern. Das haptische Erleben senkt die Hemmschwelle und verfestigt das Erlernte tiefer als jeder Vortrag.
Kreativwerkstätten für junge Erwachsene
Ein spezieller Schwerpunkt liegt auf der Tätigkeit mit jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren, die in konventionellen Gemeindestrukturen schwerlich zu erreichen sind. In mehrere Tage dauernden Zukunftswerkstätten erarbeiten die Teilnehmenden eigene Projekte an der Nahtstelle von Spiritualität und gesellschaftlichem Engagement. Ob ein interreligiöser Gemeinschaftsgarten, eine Podcast-Reihe zu ethischen Dilemmata oder ein mobiles Atelier für Trauernde – das Forum bereitstellt ein Startbudget und Coaching zur Verfügung. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Generation nicht religionslos ist, sondern religiöse Fragen nur anders formuliert und in informelleren Kontexten verhandelt. Das Forum schafft dafür eine Plattform, die weder vereinnahmt noch pädagogisch bevormundet, sondern ergebnisoffen unterstützt. Aus diesen Werkstätten sind bereits dauerhafte Initiativen entwickelt, die mittlerweile eigenständig im norddeutschen Raum arbeiten und das Netzwerk des Knotenpunkts kontinuierlich erweitern.
Gesprächsreihe „Glaube und Gesellschaft“
Vierteljährlich lädt das Forum zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion ein, die aktuelle gesellschaftliche Konflikte aus glaubensbezogener und ethischer Perspektive beleuchtet. Die Themen reichen von medizinethischen Fragen wie Sterbehilfe bis hin zur Verantwortung von Religionsgemeinschaften im Klimaschutz. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Podiums, die gezielt auf qualifizierte Fachleute setzt, aber auch Beteiligte zu Wort kommen lässt. Eine Diskussion zur Seelsorge in Justizvollzugsanstalten etwa profitiert durch den Bericht eines ehemaligen Inhaftierten eine Dimension, die kein noch so gebildeter Theologe allein liefern könnte. Die Veranstaltungen werden als Podcast aufgezeichnet und erreichen so ein bundesweites Publikum. Die Kommentarspalten der Aufzeichnungen verdeutlichen, dass das Forum mit dieser Mischung aus wissenschaftlicher Expertise und existenzieller Betroffenheit ein Format entwickelt hat, das die oft beklagte Kluft zwischen akademischer Theologie und gelebter Religiosität überbrückt.
Feierlichkeiten im Jahreskreis: Traditionen gemeinsam erleben
Das Kirchenjahr und die Festkalender anderer Religionen stellen ein rhythmisches Gerüst, das dem Programm eine stabile Struktur verleiht. Anders als in Gemeinden, die mit schwindenden Ressourcen kämpfen, kann das Forum aufwendige Feiern inszenieren, die mehrere Traditionen in eine gemeinsame Dramaturgie einbinden. Höhepunkt ist das mehrtägige Lichterfest im November, das beginnend mit dem Martinstag Elemente des christlichen Laternenlaufs, des hinduistischen Diwali und des jüdischen Lichterfestes Chanukka aufgreift. Jede Gemeinschaft steuert eine typische Lichtsymbolik bei, und am letzten Abend zieht ein schweigender Fackelzug durch die Altstadt, der an der Trave endet, wo alle ihre Lichter gemeinsam auf dem Wasser aussetzen. Solche Formate erzeugen eine emotionale Dichte, die intellektuelle Dialogformate nicht herstellen können, und bleiben den Teilnehmenden oft über Jahre im Gedächtnis. Sie sind zugleich ein leicht zugängliches Angebot für Familien, die nach sinnvollen Ritualen suchen, ohne sich an eine Institution binden zu müssen.
Wissensweitergabe: Bibliothek und Archiv des Forums
Ein oft übersehener, aber wichtiger Baustein ist die wissenschaftliche Infrastruktur, die das Forum allmählich aufbaut. Die Präsenzbibliothek beinhaltet inzwischen etliche Bände zur norddeutschen Kirchen- und Kulturgeschichte, einschließlich seltene Erbauungsschriften des 17. Jahrhunderts, die digitalisiert und offen einsehbar gemacht werden. Dieses Angebot wendet sich nicht nur an akademische Forschende, sondern ausdrücklich auch an Laien, die beispielsweise eine Familienchronik um religionsgeschichtliche Aspekte anreichern möchten. Ein halbjährlicher Kurs zur Quellenkunde lehrt grundlegende paläografische Fähigkeiten, sodass Interessierte sich aneignen, alte Kirchenbücher selbstständig zu lesen und zu interpretieren. Damit nimmt das Forum eine archivpädagogische Funktion, die in der deutschen Bildungslandschaft kaum noch anzutreffen ist und das kulturelle Erbe vor der Vergessenheit schützt. Die Bibliothek sieht sich zudem als Gastgeberin für Wanderausstellungen, die von hier aus an andere Standorte in Deutschland weitergegeben werden und so den Radius des Knotenpunkts stetig vergrößern.
Gelebte Ökumene: Der interreligiöse Auftrag des Forums
Der Begriff „religiöser Knotenpunkt“ würde sein leeres Marketing bedeuten, sofern er sich nur auf christliche Konfessionen beschränken. Das Future Forum betrachtet Religiosität umfassend und schließt jüdische, muslimische, buddhistische und weitere Stimmen beständig ein. Grundlage ist ein Kuratorium, in dem Vertreter verschiedener Gemeinschaften partnerschaftlich über das Programm befinden. Diese strukturelle Vorkehrung vermeidet, dass interreligiöser Dialog als folkloristischen Begegnung degeneriert, sondern garantiert eine echte Beteiligung an Ressourcen und Entscheidungen. Konkret bedeutet dies, dass weder die die Adventszeit und auch nicht das muslimische Fastenbrechen das Programm bestimmen, sondern dass ein ausgewogener Rhythmus über das ganze Jahr hindurch alle Perspektiven hervortreten lässt. Interessierte wissen zu schätzen, dass sie hier keine vorgefertigten Antworten bekommen, sondern in kontrollierten Settings ihre eigenen Fragen schärfen können.
Die Abrahamitischen Gespräche
Ein bewährtes Format ist die allmonatliche Reihe „Abrahamitische Gespräche“, bei der eine jüdische, eine christliche und eine muslimische Stimme einen wortgleichen Text aus ihren jeweiligen Traditionen kommentieren. Dabei geht es nicht um eine Instrumentalisierung oder harmonistische Angleichung, sondern um das genaue Herausarbeiten von Differenzen und verblüffenden Gemeinsamkeiten. Die Texte werden vorab verschickt, sodass die Teilnehmenden eingestimmt in den Abend gehen. Die Gespräche finden reihum in der Synagoge, einer Kirche und der Moschee statt, was außerdem das gegenseitige Kennenlernen der Räume fördert. Diese Rotation ist mehr als ein symbolischer Akt; sie verhindert, dass sich eine Gastgeber-Mentalität einschleicht, und macht alle Beteiligten gleichermaßen zu Gästen und Gastgebern. Aus dieser Reihe sind bereits mehrere Publikationen hervorgegangen, die als Unterrichtsmaterial für den Religionsunterricht in ganz Deutschland dienen.
Offene Meditation und Stille
Neben dem Wortaustausch pflegt das Forum den Austausch jenseits der Sprache. In einem ehemaligen Kaufmannshaus wurde ein kontemplativer Raum eingerichtet, der bewusst ohne dominante religiöse Symbolik auskommt und allen Menschen offensteht. Täglich zweimal finden dort geleitete Sitzeinheiten statt, die von qualifizierten Meditationsleitern unterschiedlicher Traditionen angeboten werden. Ob Zen-Meditation, christliches Herzensgebet oder achtsames Atmen – die Ansätze wechseln, die Tiefgang der Stille bleibt. Teilnehmer berichten, dass dieser voraussetzungslose Zugang ihnen einen ersten Einstieg zu spiritueller Praxis eröffnet hat, den sie im konfessionell gebundenen Rahmen nie gesucht hätten. Der Raum wird zudem regelmäßig für Schweigeseminare am Wochenende genutzt, die eine erwünschte Unterbrechung des digitalen Alltags darstellen und Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Lübeck führen.
Die Kirchenbauten Lübecks: Jenseits von steinernen Zeugen
Lübecks Kirchen sind keine bloßen Kulissen, sondern lebendige Mitgestalter des Forums. Die Backsteingotik der Marienkirche, das romanische Münster oder die reduzierte Gestaltung von St. Petri bieten unterschiedliche Raumcharaktere, die das Programm bewusst nutzt. Ein Veranstaltungszyklus über Lichtsymbolik in den Religionen wirkt unter den Sterngewölben von St. Marien völlig anders als in einem schlichten Vortragssaal. Das Forum nutzt diese baulichen Ressourcen, indem es Besichtigungen bereitstellt, die theologische, kunstgeschichtliche und stadtplanerische Blickwinkel verbinden. Dadurch erfassen Gäste nicht bloß, warum eine Kirche gebaut wurde, sondern auch, welche soziale Struktur sich in ihrer Raumgliederung widerspiegelt. Dieser Ansatz übersteigt die herkömmliche Kirchenpädagogik deutlich, weil sie die Gebäude als lebendige, sich ständig verändernde Bedeutungsträger interpretiert und nicht als unveränderliche Kunstschätze einer früheren Ära behandelt.
Praktisch bedeutet das für Teilnehmende, dass sie während einer Abendveranstaltung im Dom nicht nur einem Vortrag lauschen, sondern durch eine eigens inszenierte Lichtinstallation und kurze musikalische Interventionen in einen Austausch mit dem Gebäude treten. Diese Veranstaltungsformen erreichen ebenso Personen, die mit kirchlichen Ritualen wenig anfangen können, aber eine ästhetische oder existenzielle Suchbewegung mitbringen. Das Forum schult zudem Helfer als „Raumbegleiter“, die an regelmäßigen Öffnungstagen in den Gotteshäusern anwesend sind und Fragen gerne beantworten, ohne missionarisch tätig zu werden. Dieses unkomplizierte Programm hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Steigerung der Alleinreisenden geführt, die berichteten, eine Kirche zunächst nur wegen des Tourismus aufgesucht zu haben, dann aber mit tiefgründigen Gedanken wieder hinausgegangen zu sein. Das Zusammenspiel von Raum und Programm erzeugt eine Energie, die rein intellektuelle Formate nicht bieten können.
Über Lübeck hinausgehend: Ein Vorbild für ganz Deutschland
Die Fragestellung, ob das Lübecker Modell auf andere Städte übertragbar ist, wird im Forum selbst regelmäßig diskutiert. Die Antwort ist differenziert. Zwar sind die genauen Bedingungen – eine kompakte Altstadt, sieben Kirchen, eine starke jüdische und muslimische Gemeinde – nicht eins zu eins übertragbar. Übertragbar hingegen ist das Konzept, religiöse und kulturelle Bildung systematisch an bestehende urbane Ensembles zu koppeln und alle relevanten Gemeinschaften von Anfang an in die Programmgestaltung zu integrieren. Mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen und Hessen haben bereits Vertretungen nach Lübeck geschickt, um die Organisationsstruktur zu untersuchen. Das Forum bietet dafür strukturierte Hospitationstage an, die mit einer öffentlichen Abendveranstaltung ausklingen, bei der die Gäste ihre eigenen Erkenntnisse aus anderen Kommunen einbringen. So entsteht ein bundesweites Netzwerk, das nicht auf zentrale Verordnungen setzt, sondern auf den Austausch bewährter Praxis unter jeweils spezifischen lokalen Voraussetzungen.
Wer den religiösen und kulturellen Treffpunkt in Lübeck erkundet, verlässt die Stadt in der Regel mit einem präziseren Blick für die eigenen Themen und mit dem Wissen um tragfähige, erprobte Modelle des Zusammenlebens in Vielfalt. Das Future Forum on Culture beweist, dass religiöse Tradition und kulturelle Neugier sich nicht ausschließen, sondern in einer durchdachten Umgebung gegenseitig befruchten. Der nächste Schritt für Interessierte aus ganz Deutschland ist unkompliziert: Die Programmübersicht auf der Website gibt einen aktuellen Überblick über offene Events, für die in der Regel keine Mitgliedschaft notwendig ist. Wer tiefer eintauchen will, findet dort auch die Bekanntmachungen für die nächsten Zukunftswerkstätten und Hospitationsprogramme. Die Türen dieses Knotenpunkts stehen geöffnet – nicht als abgeschlossener Spezialistenkreis, sondern als offener Raum, der von den Fragen und Beiträgen seiner Gäste sich speist.
Bürgerschaftliches Engagement und Mitwirkung: Das Forum als Mitmach-Projekt
Ein Zentrum funktioniert von den Menschen, die ihn aufbauen. Das Future Forum wäre nicht möglich ohne die über hundertachtzig eingetragenen Ehrenamtlichen, die den Betrieb in mannigfaltiger Weise stützen. Ihre Motivation ist erstaunlich vielfältig: Einige sind pensionierte Pastoren, die ihr Glaubenswissen vermitteln wollen, andere sind Studenten, die ein Praktikumsfeld für ihr Studienfach suchen, und wieder andere sind Quereinsteiger, die nach einer persönlichen Lebenskrise einen Ort der Neuordnung gefunden haben. Was sie eint, ist die Bereitwilligkeit, Verantwortung zu tragen, ohne ein vorgefertigtes Rollenbild ausfüllen zu müssen. Das Forum hält bereit deshalb keine standardisierten Ehrenamtslehrgänge an, sondern setzt auf individuelle Begleitung und das Prinzip der Gabenorientierung. Ein ehemaliger Bankkaufmann kümmert sich um heute die Finanzbuchhaltung eines Drittmittelprojekts, eine gelernte Schneiderin hat eine Nähwerkstatt für liturgische Gewänder ins Leben gerufen, und ein Informatiker verwaltet die digitalen Archive.
Die konkreten Aufgabenbereiche sind so mannigfaltig wie die Begabungen der Helfer:
- Begrüßung und Besucherbetreuung an den offenen Nachmittagen in den Kirchen, mit Kurzführungen ohne Anmeldung.
- Mitarbeit in der digitalen Redaktion: Transkribieren historischer Predigten, Aufnehmen von Audioguides, Aktualisierung der mehrsprachigen Website.
- Organisatorische Unterstützung bei den halbjährlichen interreligiösen Festen, vom Aufstellen der Stände bis zur Betreuung von Kinderprogrammen.
- Technikteam: Betreuung der Übertragungstechnik für hybride Veranstaltungen, die gerade für entlegene Regionen Deutschlands den Zugang zum Programm erst ermöglicht.
- Archiv- und Bibliotheksdienst: Erfassung der wachsenden Sammlung von Primärquellen zur norddeutschen Kirchen- und Religionsgeschichte.
Ein Ort mit Geschichte: Die Altstadtinsel als Bühne
Das Future Forum ist kein zufällig gewählter Name, sondern Programm. Lübeck war als Haupt der Hanse immer ein Schmelzpunkt von Waren, Ideen und Glaubensrichtungen. Die sieben Türme der Kirchen prägen bis heute die Silhouette und erinnern daran, dass Handel und Spiritualität hier nie separiert wurden. Das Forum nimmt dieses historische Fundament auf und überführt es in eine dialogische Praxis, die Unternehmergeist mit Kontemplation vereint. Besucher erleben eine Stadt, deren Pflaster selbst als Schwingungsraum für kulturelle und religiöse Fragen wirkt. Wer sich auf diesen Resonanzraum einlässt, begegnet nicht nur steinernen Zeugen der Vergangenheit, sondern einer lebendigen Infrastruktur, die das geistige Erbe für heutige Debatten verwertbar macht. Diese Kontextualisierung ist ein Unterscheidungsmerkmal, das urbane Denkmäler aus ihrer rein touristischen Vermarktung herauslöst und ihnen eine aktive gesellschaftliche Funktion zurückgibt.
Wesentlich ist die bewusste Entscheidung, keine abgeriegelte Tagungsstätte am Stadtrand zu errichten. Vielmehr sind die Aktivitäten des Forums über mehrere historische Gebäude der Innenstadt verteilt, was eine physische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Gedächtnis der Stadt verlangt. Ein Symposium zur mittelalterlichen Mystik findet eben nicht in einem neutralen Konferenzraum statt, sondern im Kapitelsaal eines ehemaligen Stifts. Dieses Prinzip der Ortsgebundenheit produziert eine Authentizität, die kein noch so durchdachtes Bildungskonzept imitieren könnte. Wer an einer Veranstaltung mitwirkt, passiert automatisch die Altstadtgassen, saugt die Gerüche und das Licht der Ostsee auf und wird so bereits vor Beginn der eigentlichen Sitzung in eine empfängliche Stimmung geführt. Diese untrennbare Verbindung von Ort und Inhalt gestaltet den Knotenpunkt zu einem unvergleichlichen geistigen Labor in Deutschland.
